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Wieviel Drehmoment braucht ein E-Bike

Thema: 100 Newtonmeter

Kettenriss E Bike

Welcher Fahrer-Typ braucht welches Drehmoment:

Je nach Fahrradtyp und Nutzung gibt es besondere Empfehlungen für den erforderlichen Drehmoment, nicht immer ist mehr auch besser!

  • Trekking- und Touren-E-Bikes:
    Hier sind Motoren mit 60–75 Nm empfehlenswert, um auch wechselhaftes Terrain und leichtere Steigungen gut zu bewältigen. Das Heimspiel für die BOSCH Performance und PX-Motoren.
  • E-Mountainbikes (E-MTBs) und E-SUVs:
    Für technische Kletterpartien und steile Bergfahrten sind 85 Nm und mehr sinnvoll, um maximale Unterstützung zu erhalten. Hier ist der BOSCH CXCX-R oder der SHIMANO EP800 unsere Referenz.
  • Light-Modelle (E-Bikes um die 20 Kilo):
    Hier liefern die Motoren in der Regel 40–60 Nm und eignen sich für flaches Gelände oder sportliches Fahren, bei dem man sich noch hauptsächlich selbst betätigen will. Die bekanntesten Vertreter: der BOSCH SX und der TQ-Motor.
  • Lastenräder:
    Diese Motoren bieten 85 Nm oder mehr und sind für maximale Unterstützung bei starken Steigungen, im Gelände oder beim Transport von Lasten ausgelegt. Hier wird meist der standfeste BOSCH CX verbaut.

Thema 100 Newtonmeter!

Ab der Generation 5 bietet nun BOSCH ein Upgrade auf 100 Nm an. Ob das für die meisten sinnvoll ist, erscheint fraglich. 

Klar - es ist schon witzig, mit einem 100 Nm starken Motor einen steilen Anstieg hochzuknallen. Aber es sollte einen bewusst sein, dass sowohl die Reichweite als auch der Verschleiß extrem ansteigt. Gerade, wenn man unter Volllast schaltet oder man an der Ampel im Turbo losfliegt. Hier kann im ungünstigsten Fall auch die Kette reißenUps - kein Garantiefall! Wer mit einem 500PS-starken Auto eine schöne schwarze Beschleunigungsspur auf den Asphalt zeichnet, braucht auch nicht nach 100 Kilometern Fahrleistung bei seinem freundlichen Autohändler die abgefahrenen Reifen reklamieren... guter Vergleich, nicht?

Ich selbst bringe 90kg auf die Waage und habe meine besten sportlichen Zeiten hinter mir :) Dennoch habe ich mich dafür entschieden, nicht auf 100 Nm upzugraden. Warum auch? Ich komme auch am Gardasee überall mit der E-MTB-Stufe an meinem Scott E-Fully klar. Auf Trails fahre ich nur Eco oder Tour-Modi. Ab und an wird auf Turbo geschalten. Das ich an einer steilen Rampe noch mehr Bumms gebraucht hätte - ich kann mich nicht erinnern...

 

Unser E-Auto Renault Kangoo ZE hat gerade einmal 212 Nm bei weit über einer Tonne Leergewicht (genau: 1400kg!). Das zeigt eigentlich schon die Unlogik der "MUST-HAVE" von 100 Nm bei einem 30kg "leichten" E-Bike.

Jeder entscheidet für sich, das ist das schöne an einem freien Land. BOSCH reagiert wohl nur auf die anstürmende Konkurrenz aus China, um im Wettlauf der Newtons nicht die Marktführerschaft zu verlieren.

Ok, ein Aspekt spricht für das 100 Nm-Update: man kann in der App jede Unterstützungsstufe selbst abstimmen, d.h. festlegen, wieviel Kraft in Tour, Sport, E-MTB+ usw. tatsächlich abgerufen werden können. Wer hier sinnvoll das Drehmoment aufteilt, kann in den unteren Unterstützungsstufen von einer höheren Reichweite profitieren und bei E-MTB+ und Turbo im Extremfall die volle Leistung abrufen. 

Unser Fazit: 100 Nm bei einem E-Bike sind eine Menge Holz. Die Belastung auf Kette und Ritzel sind enorm, die Reichweite wird deutlich weniger. Das sollte man sich bewusst sein. Wenn man jedoch selbst einiges auf die Waage bringt, mit viel Gepäck unterwegs ist, oder einfach nur sehr sportlich an Anstiegen biken möchte - für den macht das Upgrade Sinn. Für den entspannten Tourenbiker und in der Stadt eher nicht.